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In der fotografischen Arbeit Gestern ging der Wind wird die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Bildern im Zeitalter künstlicher Intelligenz aufgeworfen. Die Fotografie zeigt ein scheinbar fragiles Bauwerk – lose Zweige, vom Sturm geformt, als hätte der Wind sich über Nacht ein Zuhause errichtet.

Die Szene wirkt zugleich real und unmöglich. Gerade in ihrer stillen Absurdität stellt sie die Sehgewohnheiten der Betrachtenden infrage. Zeigt die Fotografie eine tatsächliche Begebenheit – oder doch eine Inszenierung?

Die Arbeit bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Realität und Fiktion und reflektiert so die zunehmende Unsicherheit gegenüber dem Wahrheitsgehalt fotografischer Bilder in einer Zeit, in der digitale Technologien immer tiefer in den schöpferischen Prozess eingreifen.

Wie glaubwürdig ist es schon, dass ein Windsturm ein Haus aus Ästen gebaut hat?

der Wind war’s

siehst du
wie hohl alles geworden ist
um uns herum
wie hier oder da
noch geschickt etwas in einer Fuge
versteckt liegen mag
aber wie dumpf und weich der Boden
geformt wurde
der Wind war’s
und seine unermüdlichen Augen
siehst du
du siehst nichts
kurzes Augenflackern und
schon steht es da
an Ort und Stelle
vom Wind gebaut
aus der Nacht
oder
wer es wohl gewesen sein mag
warst du’s vielleicht
ein Haus mit Dach
mit Wänden
wir reden
wir sehnen uns ins Verschwommene
wenn der Wind weht
siehst du
wie zerbrechlich und taub
alles geworden ist um uns herum
blickst durch
eine Rinde aus zähem Stroh

to je bil veter

vidiš
kako prazno je vse postalo
okoli nas
kako tu ali tam
nekaj še vedno spretno
skrito tu ali tam
toda kako dolgočasna in mehka so tla
je bila oblikovana
to je bil veter
in njegove neutrudne oči
vidiš
ničesar ne vidiš
kratek utrip oči in
je že tam
na mestu
ki ga je zgradil veter
iz noči
ali
kdo bi to lahko bil
morda si bil ti
hiša s streho
s stenami
se pogovarjamo
hrepenimo po zamegljenem
ko piha veter
vidiš
kako krhko in otrplo
vse okoli nas je postalo
poglej skozi
lubje iz trde slame